
NeueKomoedie
Unter diesem Namen wollen wir uns verstärkt mit den Komödienformen der Griechen in der Antike beschäftigen, die sich in die Alte, die Mittlere und die Neue Komödie einteilen lassen, die jeweils für einen Zeitraum von etwa 500 Jahren stehen. Auch wenn viele der Stücke nicht vollständig erhalten sind, werden immer noch Bruchstücke und Überlieferungen entdeckt, die eine Rekonstruktion ermöglichen. Wir wollen uns damit nicht nur als Theaterwissenschaftler beschäftigen, sondern auch den Zugang von der schauspielerischen Seite suchen, und unseren Zuschauern die Begegnung mit Schätzen erlauben, die teilweise nur in Archiven geschlummert haben, aber nach wie vor von großer Vitalität, Modernität und durchtriebenem Humor und Witz stecken.
Der Schwerpunkt unserer Suche liegt dabei auf Werken, die wir auch nach mehreren Jahrtausenden noch als "gute Komödie" betrachten können, die nicht nur historischen Wert haben. Doch was ist eigentlich eine gute Komödie, so wie wir sie verstehen? Was sind unsere Kriterien dafür? Wann ist es ein Theaterstück wert, auf der Bühne bleiben zu "dürfen" und noch heute produziert zu werden?
Bei den LEAD-Producers sind ausschließlich Theaterprofis am Werk: Wir sind Regisseure, Schauspieler, Autoren, Dramaturgen - daneben aber auch Theaterforscher und Theaterwissenschaftler. Trotzdem geht es uns bei den COMICI GRAECI vor allem um die Praxis des Spiels auf der Bühne. Nur wer selbst Theater inszeniert, schreibt und auf der Bühne steht, legt die strengsten Kriterien an einen Theatertext an und weiß am Ende, worauf es ankommt. Er durchschaut die Figuren, die Zusammenhänge der Handlung, und inszeniert einen Text schon beim Lesen im Kopf. Er hört, was nicht gesagt wird - er sieht, was gespielt werden muss, die "Situationen". Denn im Kern sind nur sie es, die das Stück zu einem guten Stück machen. Sie vor allem bestimmen den künstlerischen und spielerischen Wert eines Textes - die Situationen zwischen den Figuren.
Denn nichts ist schwieriger als wahrhaft komisch zu sein. Und dabei noch eine Geschichte zu erzählen, mit lebendigen Figuren, die authentisch sind und sich entwickeln dürfen - eben wie im richtigen Leben.
Eine gute Komödie zu schreiben gehört darum zur Königsklasse der Theaterschriftstellerei. Denn echter Humor fordert mehr als Witz, mehr als "lustig" zu sein. Ein ganze Geschichte, gar ein Menschenleben in Humor zu verpacken, und dabei nie oberflächlich zu sein, und den Figuren eine Entwicklung zu schenken. Das ist das Auswahlkriterium, das wir den alten, mittleren und neuen Komödien der Griechen anlegen wollen.
Möge die Übung gelingen und unseren Betrachtern viel Vergnügen und Erkenntnis geschenkt werden!
Anja Pirling und Thomas Waldkircher


